Sieben Sekunden. Das ist die Zeitspanne, die es braucht, bis zwei Menschen voneinander einen prägenden ersten Eindruck gewinnen. Unser Erfolg hängt stark mit unserer Wirkung auf andere Menschen zusammen. Diese Wirkung erzielen wir zu 90 Prozent mit unserem Auftreten, der Körpersprache, der Stimme. Das gilt innerhalb eines Kulturkreises, aber insbesondere bei Begegnungen von Personen aus unterschiedlichen Kulturen.
Sieben Sekunden sind keine lange Zeit, aber sie reicht aus, um einen gravierenden Fehler beim ersten Kontakt zu machen. Dafür gibt es unterschiedliche Gründe. Die häufigsten sind Nervosität, Unsicherheit, Ungeschicklichkeit, Gleichgültigkeit, Ignoranz und Unwissen. Die ersten drei mögen verzeihlich sein, die zweite Gruppe ist es sicherlich nicht. Was immer der Auslöser war: woher soll das Gegenüber wissen, ob ein Fehler aus Nervosität oder aus Unwissen erfolgte? Tendenziell muss damit gerechnet werden, dass das Gegenüber eher negativ berührt ist. Und damit einem genetischen Programm folgt, welches wir aus Urzeiten noch in uns tragen. Unsere Vorfahren mussten sehr schnell entscheiden, ob sie einen Freund oder einen Feind trafen. Und wenn es ein Feind war – erkennbar aus einem aggressiven oder von der eigenen Norm stark abweichenden Verhalten – sollten sie kämpfen oder fliehen? Wer zu lange überlegte, hatte vielleicht keine zweite Chance mehr. So schlimm ist es in unserer Zeit nicht mehr, aber dennoch entscheidet erst das Bauchgefühl und dann kommt die Ratio. Dann erst wird nach Fakten gesucht, welche die Bauchentscheidung rechtfertigen – und uns aber auch zu einer Änderung unserer Haltung bringen können.
Somit stellen sich zwei Fragen: wie lange hat man, um einen ersten suboptimalen Eindruck zum Positiven zu wenden? Und wie kann man es schaffen, den ersten Eindruck, den wir auf andere hinterlassen, nicht dem Zufall zu überlassen. Wie gelingt es, einen guten Start zu haben, damit wir andere überzeugen und nicht verschrecken.
Auf die erste Frage gibt es keine allgemein gültige Antwort. Je nach Kulturkreis und je nach dem gegenseitigen Good-Will kann es recht schnell gehen, es kann aber auch länger dauern. Mit Sicherheit jedoch länger als sieben Sekunden. Fatal ist, dass man es dem Gegenüber zumeist nicht anmerkt, ob man in den Fettnapf getreten ist. Besser also, es gar nicht erst dazu kommen zu lassen. Was uns zur Antwort auf die zweite Frage bringt. Sie ist mehrgeteilt und u.a. mit folgenden Stichworten umrissen: Demut, echtes Interesse, Lernbereitschaft, Offenheit, Mut und Humor.
Demut setzt voraus, dass man eine andere Kultur – und damit auch die Menschen in dieser Kultur – nicht als schlechter oder unterlegen ansieht, sondern als das was sie ist/sind: anders eben. Das würden wir auch von jemandem erwarten, der zu uns kommt. Im Übrigen hilft es auch, nicht immer nur die Unterschiede zu suchen, sondern auch die Gemeinsamkeiten, die vielleicht sogar als erstes.
Die anderen Begriffe sind selbsterklärend. Unterschätzen Sie den Humor nicht! Damit ist allerdings nicht gemeint, die Top Ten der Stammtischwitze in eine andere Sprache zu übersetzen. Das klappt erstens nie und zweitens bietet es 1000 weitere Fallen. Aber über sich selbst einmal zu lachen, könnte schon ein richtiger Schritt sein.
Richtiges interkulturelles Verhalten kann man nicht wie Vokabeln lernen. Aber wer wirklich will, kann vieles im Vorweg aufnehmen und schon bei der ersten Begegnung anwenden.
Ich habe mich mit diesem Thema auch ausführlicher befasst, zu finden u.a. auf “HR-Impulse“, dem Portal der DGFP.




